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Nicht der Islam, die eigene Glaubensleere ängstigt

Posted by sioede on December 13, 2009

Welt Online – Von Dankwart Guratzsch 13. Dezember 2009, 17:16 Uhr

Das Schweizer Minarettverbot hat die Debatte über das Vordringen der Muslime nach Europa neu entfacht. Der Islam konfrontiert die Europäer mit dem Verrat an ihren Traditionen, mit der Verleugnung ihrer Identität, mit ihrem Verhaftetsein in Lethargie und Gleichgültigkeit, mit ihrem physischen und psychischen Versagen.

Die Wilmersdorfer Moschee ist die älteste Moschee Deutschlands und wurde zwischen 1924 und 1928 in Berlin erbaut. Sie hat zwei abgesetzte Minarette und eine 26 Meter hohe Kuppel von zehn Metern Durchmesser.

Können Bauwerke böse sein? Die Debatte ist neu entfacht worden durch das Schweizer Minarettverbot. Tatsächlich aber beherrscht sie den deutschen kulturpolitischen Diskurs seit 1945.

Das Minarett als „Speerspitze des Islam“, die Naziarchitektur als Einschüchterungsarchitektur, der „Zuckerbäckerstil“ der Stalin-Ära als proletarischer „Palaststil“ – das sind ideologische Kampfbegriffe. Doch gerade die Minarettdebatte offenbart, wie unsinnig derartige Zuschreibungen sind.

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Eine der großartigsten Schöpfungen christlicher Baukunst, die Hagia Sophia in Istanbul, wurde mit ihrer gewaltigen Kuppel als christliches Gotteshaus entworfen. Und eine der in ihrer Außenwirkung sicherlich pompösesten Moscheen auf deutschem Boden war zur Erbauungszeit nichts als eine Zigarettenfabrik: der hochragende Glaskuppelbau mit Minarett und orientalischer Bauornamentik am Elbufer in Dresden. Dass sich das Bauwerk das Gepräge einer muslimischen Gebetsstätte gab und dass der Architekt Heinrich Hammitzsch der Schwager Adolf Hitlers war, jagt keinem Betrachter bis heute Angst oder Abscheu ein, schon eher die blasphemische Unbekümmertheit, mit der hier Motive der Sakralbaukunst für den trivialen Zweck der Werbung für orientalische Tabake ausgebeutet wurden.

Nicht die Bauform Moschee, sondern das in die Mitte der Gesellschaft vordringende ganz andere Bezugssystem, das sich mit ihr verbindet, wird von vielen Menschen als Bedrohung empfunden. Moscheen sind Missionsstationen eines anderen Glaubens und können, dem Auftrag des Propheten gemäß, gar nichts anderes sein.

Nicht der Islam, die eigene Glaubensleere und -armut ängstigt. Das Vordringen des Islam konfrontiert die Europäer mit dem Verrat an ihren Traditionen, mit der Verleugnung ihrer Identität, mit ihrem Verhaftetsein in Lethargie und Gleichgültigkeit, mit ihrem physischen und psychischen Versagen.

Die Zahl deutscher Moscheen wird heute auf 2600 geschätzt – Tendenz stark steigend. Viele davon sind in Hinterhöfen, Garagen und Fabrikgebäuden eingerichtet worden. Neu sind das Selbstbewusstsein und die immer stärker werdende Präsenz des Islam im Stadtbild, die mit der stetig und überproportional wachsenden Zahl von Mitbürgern muslimischen Glaubens korrespondiert. Während die deutschstämmige Bevölkerung schrumpft, während die christlichen Gemeinden über Auszehrung klagen, Gotteshäuser schließen oder abreißen, schwellen die muslimischen Gemeinden an. Und immer unübersehbarer verbindet sich diese Ankunft des Islam in der deutschen Gesellschaft mit Architekturentwürfen in traditionell islamischer Tradition.

Großen Teilen der deutschen Bevölkerung ist diese Dynamik aus eigenem Erleben unmittelbar bekannt. Kinder mit Migrationshintergrund bilden in städtischen Schulen insbesondere Westdeutschlands die Mehrheit. Dass sich dies auf die Qualität des Schulunterrichts und der Bildungsabschlüsse auswirkt, ist die eine Erfahrung, die offen auszusprechen die Political Correctness verbietet. Dass Kindern muslimischen Glaubens Sonderrechte eingeräumt werden, die sich aus islamischen Traditionen herleiten, die ungleich schwerwiegendere tägliche Wirklichkeit.

Die für Mitteleuropa fremde Religion mit ihrem eigenen Rechtsverständnis, ihrem Gesellschaftsbild, ihren Partnerschaftstraditionen, ihrem Frauenbild und ihren Erziehungsmodellen etabliert sich in der Alltagskultur und macht Entfaltungsansprüche geltend.

Schon jetzt stehen die ersten Großstädte dicht vor einer Verschiebung der Mehrheiten – und viele Mitbürger übertragen die Erfahrungen aus dem nachbarschaftlichen Zusammenleben mit Muslimen in ihr persönliches Zukunftsbild. Wird sich die Bevölkerung aus Migrantenfamilien auf Dauer mit einem Minderheitenstatus zufriedengeben? Wird sie zweisprachige Orts- und Straßenschilder, fremdsprachige Schulen, neue Lehrpläne, neue Kleiderordnungen, eine andere Rechtsprechung verlangen? Wenn heute die Skyline der christlich geprägten Städte von Moscheekuppeln, Minaretten und dem oben aufgesteckten Halbmond erobert wird, schwingen bei vielen Menschen solche Ängste mit.

In den schon heute aufbrechenden Konflikten kündigt sich eine Krise des demokratischen Mehrheitsprinzips an, die nicht vorgesehen war und von niemandem thematisiert wird. Die Parallelgesellschaft, die sich in den Villenvierteln von Berlin, Hamburg, München und Düsseldorf verschanzt hat, mag sich in der Vorstellung wiegen, sie werde sich durch Modernisierung, Säkularisation, Fortschritt und Wohlstand von selbst beheben. Das Bauchgefühl der unmittelbar betroffenen Bevölkerungsschichten ist dies nicht.

Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass es zu wenig ernst genommen wird

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