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Christenverfolgung – Stirb, weil du Christ bist!

Posted by sioede on October 25, 2009

Stirb, weil du Christ bist!
von Vanessa de l’Or

Sudan, Nigeria, Pakistan, Nord-Korea: In vielen Ländern der Welt werden Christen diskriminiert und verfolgt, im vergangenen Jahr wurden 167.000 Menschen wegen ihres Glaubens getötet. Ein Überblick von Vanessa Liertz.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ordneten viele das Thema Christenverfolgung den schaurig-düsteren Kapiteln der Christengeschichte zu, die – bis auf wenige Ausnahmen vielleicht – niemals wieder aktuell würden. Die katholische Kirche in Deutschland schaffte Mitte der neunziger Jahre ihren letzten traditionellen “Gebetstag für die verfolgte Kirche” ab. Zu früh, das machte spätestens der 11. September des Jahres 2001 deutlich.

Ein Jahr nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York hat die Deutsche Bischofskonferenz das Thema Christenverfolgungen offiziell wieder belebt mit der Veranstaltung “Solidarität mit verfolgten Christen”. Auch die Evangelische Kirche Deutschlands ist inzwischen wachgerüttelt. Heute appelliert Kardinal Karl Lehmann an die Weltöffentlichkeit, das Problem endlich ernst zu nehmen. Er beschwört eine “Rückkehr von massenhaften Christenverfolgungen”, dabei “wird die Lage in einigen Regionen Afrikas und Asiens dramatisch.”

 

Hohe Dunkelziffer

In der Tat, die Karte zeigt es: Auf der ganzen Welt haben Christen ihres Glaubens wegen zu kämpfen, und wie zu Kaiser Neros Zeiten werden sie deswegen diskriminiert, gefoltert oder sogar umgebracht. Nach vorsichtigen Schätzungen der amerikanischen Kommission für internationale Religionsfreiheit werden jährlich 167.000 umgebracht. Verfolgung kann ihnen im sozialistischen China ebenso widerfahren wie auf den islamischen Malediven. Verfolgt wird in atheistischen Diktaturen wie in religiös-totalitären Gesellschaften.

Eine kulturelle und religiöse Gemeinsamkeit dieser Länder lässt sich kaum ausmachen, zumal manche Christen von den Regierungen selbst verfolgt werden (etwa Nord-Korea und Saudi-Arabien), während es anderswo Extremisten oder Rebellen sind, die sie bekämpfen. Kolumbien zum Beispiel gewährt seinen Bürgern uneingeschränkte Religionsfreiheit, und doch haben Angehörige von Guerillagruppen in den letzten Jahren hunderte Geistliche und Tausende von christlichen Laien getötet.

Welche Länder Christen am meisten diskriminieren, ist schwer zu ermitteln, die Dunkelziffer ist hoch. Gleichwohl stellt die internationale Organisation “Open Doors” mit Sitz in den Niederlanden seit einigen Jahren eine Rangliste für Christenverfolgungen auf in der Hoffnung, die Öffentlichkeit auf diese Weise zu sensibilisieren. Alle sechs Monate publiziert sie einen so genannten Index
zur Verletzung der Religionsfreiheit. Diesen ermittelt sie mit Hilfe eines speziellen
Fragebogens, den ihre Mitarbeiter für jedes Land vor Ort erstellen. In der Rangliste von “Open Doors” führt heute Nord-Korea, gefolgt von Saudi-Arabien auf Platz zwei.

Beunruhigte Wissenschaftler

Es sind offenbar brutalste Mittel, mit denen das sozialistische, auf Personenkult
ausgerichtete Regime Nord-Koreas gegen Anhänger christlichen Glaubens vorgeht. Berichten zufolge gilt das Bekenntnis zum Christentum in dem Land als ein schwer wiegendes Vergehen. Die Organisation International Christian Concern (ICC) schätzt, dass allein im Jahre 1999 etwa 400 Christen hingerichtet wurden, größtenteils durch Erschießungskommandos.

Die amerikanische Kommission für internationale Religionsfreiheit berichtete im Jahre 2003, dass einige Christen vor ihrem Tod gefoltert wurden, andere Beobachter wie der deutsche Arzt Norbert Vollersten erwähnen die Durchführung biologischer Zwangsexperimente an den Gläubigen.

Insbesondere die antichristlichen Ressentiments aus der islamischen Welt beunruhigen Wissenschaftler und christliche Institutionen. So schreibt der amerikanische Theologe Paul Marshall in einem Beitrag für das American Jewish Congress Monthly vom Winter 2002, extremistische Versionen des Islam nähmen überall auf der Welt an Macht zu – oft mit saudischer und iranischer Hilfe. Sie verbreiteten sich über Ost- und Westafrika sowie über Süd-, Südost- und Zentralasien.

Die Auseinandersetzung zwischen
Christen und Muslims, die seit Jahren im Sudan tobt und über zwei Millionen Opfer forderte, ist Marshall zufolge bisher eine der blutigsten gewesen. Seiner Meinung nach habe der Krieg einen komplexen Hintergrund, aber eines
seiner Schlüsselmerkmale war, dass das Regime darauf bestand, das gesamte
Land zu einem islamischen Staat zu machen und die Scharia durchzusetzen.

Gefährliche Religionspolizei

Das politisch Brisante an all diesen islamischen
Bekehrungs-Bewegungen sei, dass sie versuchten, ihre besondere Version des Islam in Ländern zu erzwingen, deren Geschichte auch von toleranteren Religionen geprägt ist, etwa in Pakistan, in Nigeria, in Indonesien und in Afghanistan.

Nicht nur Open Doors, auch andere Organisationen und die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit weisen besonders auf die Zustände in Saudi-Arabien hin. Sie forderte die amerikanische Regierung im vergangenen Jahr auf, “die Menschenrechtsprobleme in Saudi-Arabien
zur Kenntnis zu nehmen und öffentlich
zu bestätigen, dass diese schwer wiegende Probleme in den bilateralen Beziehungen
darstellen”. In dem Wüstenstaat riskierten Nichtmuslims, die versuchten, sich religiös zu betätigen – und sei es nur im privaten Bereich -, Schikane, Verhaftung, Gefängnis und Folter.

Die US-Kommission hält auch die Religionspolizei, die Mutawa, für gefährlich. Deren Befugnisse seien “nur vage definiert und werden in einer Weise ausgeübt, welche die Religionsfreiheit anderer verletzt.” Darum dringt die Kommission darauf, die Finanzierung der weltweiten Verbreitung der religiösen Ideologie durch die saudische Regierung zu untersuchen, die Hass, Intoleranz und in manchen Fällen Gewalt fördere.

Brutalität wie in der Antike

Ein weiteres Land, das die amerikanische
Kommission besonders kritisiert, ist Laos. Dieser Staat belegt auf der Rangliste von Open Doors heute Platz drei und überholte damit in diesem Jahr Vietnam, dessen Regierung nach Informationen der Internationalen Gesellschaft
für Menschenrechte (IGFM) mit Methoden gegen Christen im eigenen Land vorgeht, die den brutalen Auswüchsen der Antike in nichts nachstehen.

Ähnlich wie im Nachbarland Vietnam ist auch in Laos das Christentum dem totalitären Regime selbst ein Dorn im Auge. In Vietnam berichtet die IGFM davon, dass Funktionäre Christen dazu zwingen, vor einer Öffentlichkeit Blut zu trinken. Haft und Freiheitsstrafen seien in beiden Ländern an der Tagesordnung. Antichristliche Tendenzen sind aber auch in Ländern der ehemaligen Sowjetunion
zu beobachten – beispielsweise in Turkmenistan.

Dieses Vakuum, so heißt es im Bericht der Weltweiten Evangelischen Allianz von 2003, wolle “die regierende Schicht durch das Kultivieren eines künstlichen Nationalismus, einer neu entdeckten Liebe zur traditionellen islamischen Religion und durch den Personenkult um den Präsidenten” füllen.

Turkmenistan ist von einem gemäßigten Islam geprägt. Insofern ist die Entwicklung
in Turkmenistan ähnlicher wie in Laos als in Staaten mit islamisch-fundamentalistischen
Regierungen, weil das turkmenische Regime Andersgläubige nicht aus religiöser Intoleranz unterdrückt, sondern aus Angst davor, die Kontrolle zu verlieren.

Doch nicht nur diktatorische und islamisch-fundamentalistische Regime geben in den Augen internationaler Beobachter
Anlass zur Sorge. Beunruhigt verfolgen sie die Entwicklung in Sri Lanka, wo radikale Buddhisten gegen Christen vorgehen. Auch in Indien sehen sie die wachsende Macht des intoleranten hinduistischen Flügels mit Sorge. Dort allerdings gibt es den kleinen Hoffnungsschimmer, dass die vor kurzem gewählte Mitte-Links-Regierung diese Radikalen zumindest bremsen wird.

http://www.csi-de.de/

http://www.cicero.de/97.php?item=168

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