Zugegeben, es war recht still um SIOE Deutschland in der vergangenen Woche - gerade zu einer Zeit, in der viele Leser unsere Seite besucht haben, um Informationen über den Anschlag auf die SIOE-Führung in Kopenhagen zu erhalten. Unser Aufenthalt in Dänemark und die anschliessende Reise zur Demo in London liessen es leider nicht zu, mehr als die Kommentare und einige wenige E-Mails zu bearbeiten. Auch konnten noch nicht alle Anfragen bezüglich Mitarbeit, Spenden und sonstiger Unterstützung beantwortet werden - wir danken aber bereits jetzt allen Interessenten.
Über die Geschehnisse im Vorfeld der Demonstration gegen die saudische Menschenrechtskommission in Kopenhagen haben viele Seiten bereits berichtet (eine Liste mit Links dazu finden Sie am Ende dieses Artikels). Der Vollständigkeit halber veröffentlichen wir hier nochmals den offiziellen SIOE-Bericht über das Attentat auf Anders Gravers und andere, ergänzt durch unsere eigenen Beobachtungen. SIOE Dänemark hatte den Bericht selbst erst nach einer Erholungspause veröffentlicht, nachdem klar war, dass die Mainstream-Medien nicht, nicht vollständig oder nicht wahrheitsgemäß über den Vorfall berichteten.
Am Sonntag, den 21. Oktober 2007, fand nicht nur ein schwerer Angriff auf die Redefreiheit statt, sondern auch der Versuch, eine Organisation, die für Freiheit und Demokratie einsteht, für immer zum Schweigen zu bringen. Nur aufgrund einiger kleiner Details endete es nicht wie in Holland, mit dem Mord an einem der mutigen Verteidiger der Redefreiheit, der sich an die Frontlinie wagte.
Für Sonntag, den 21. Oktober, hatte SIOE Dänemark eine Demonstration in Kopenhagen angekündigt. Auf den SIOE-Seiten war darauf hingewiesen worden. Kurz vor der Demo fuhren Anders Gravers (SIOE und SIAD) und zwei andere Mitglieder in einem Kleinbus mit drei vorderen Sitzen. Sie folgten dem Sicherungsfahrzeug, in dem drei weitere SIAD-Mitglieder mitfuhren, unter ihnen eine 74-jährige ältere Dame. Die anwesenden Vertreter von SIOE Deutschland waren unplanmäßig bereits früher am Treffpunkt angekommen und warteten in einem abgeschirmten Büro auf das Eintreffen der SIAD-Führung.
Anders Gravers saß am Steuer und folgte dem Sicherungsfahrzeug in eine Tiefgarage, um die Autos vor der Demo an einem sicheren Ort abzustellen. Wegen der geringen Deckenhöhe der Einfahrt fuhr er sehr langsam - die Tiefgarageneinfahrt ist relativ steil und mit Betonpfeilern abgegrenzt. Wegen der Verzögerung stieg der Fahrer des Sicherungsfahrzeuges aus, um das Tor erneut zu öffnen, weil diese sich nach 30 Sekunden automatisch geschlossen hatte. Er dirigierte den Kleinbus an den Pfeilern entlang und direkt vor einen großen tragenden Betonpfeiler.
Zwei bis fünf Sekunden später kam es zu einen lauten Knall und die Windschutzscheibe wurde eingeschlagen. Mindestens zwei - wie Autonome gekleidete - Personen standen vor dem Auto und zwei auf jeder Seite. Sie schlugen auch die Seitenfenster ein und riefen: “Holt ihn raus, holt ihn raus!”. Dann begannen sie damit, auf Anders und das SIAD-Mitglied auf der Beifahrerseite mit Eisenstangen oder -rohren einzuschlagen. Das weibliche SIAD-Mitglied auf dem mittleren Sitz wurde von einer vollen Mineralwasserflasche am Hinterkopf getroffen (Foto rechts).
Es gelang Anders schließlich, einen der Autonomen hart ins Gesicht zu treten, als dieser sich vorbeugte, um die Verriegelung der Tür zu öffnen. Anders konnte mit dem Auto-Feuerlöscher aussteigen und einen weiteren Angreifer damit hart auf die Schulter schlagen. Erst später stellte sich heraus, dass man versucht hatte, ihn niederzustechen, da Schnitte in Hemd, Jacke und Weste gefunden wurden - Anders trug eine Schutzweste, die ihm das Leben rettete.
Als sie plötzlich von ihm abließen, ging Anders um den Kleinbus herum und sah ein SIAD-Mitglied, das nach Schlägen von vier bis fünf Personen mit Eisenstangen auf dem Boden lag. Offenbar hatten sie ebenfalls versucht, ihn niederzustechen, doch auch er hatte eine Schutzweste getragen, die ihm das Leben rettete.
Plötzlich schrie jemand “Lauft, lauft!” und die Angreifer verschwanden über die steile Auffahrt. Die ältere Frau lag vollkommen regungslos auf dem Boden. Sie war im Sicherungsfahrzeug gewesen und sofort ausgestiegen, als der Fahrer “Raus, raus!” gerufen hatte. Sie wusste nicht, was sie tun sollte und begann zu rennen. Zwei Angreifer holten sie ein und schlugen sie mit einer Eisenstange nieder. Sie blieb still liegen und hoffte, dass sie von ihr ablassen würden. Sie fühlte, dass sie eine Weile neben ihr stehenblieben und beobachteten, ob sie sich bewegen würde. Dann rannten sie vermutlich zu dem anderen am Boden liegenden SIAD-Mitglied und attackierten ihn gemeinsam.
Es war unmöglich, die Polizei zu rufen, denn in der Tiefgarage gab es keinen Netzempfang. Glücklicherweise kam der Hausmeister des Gebäudekomplexes zufällig vorbei und rief Polizei und Krankenwagen. Die oben im Büro wartenden Vertreter von SIOE Deutschland waren durch den Lärm auf den Angriff aufmerksam geworden, konnten ihn zunächst jedoch nicht lokalisieren. Erst als Polizei und Ambulanz bereits unterwegs waren, traf man auf die Verletzten und leistete Erste Hilfe.

Die Verletzten, zwei Männer und zwei Frauen, beschlossen, dass das Beste war, was Anders tun konnte, die Demonstration weiterzuführen. Dies war ein Schlag ins Gesicht der demokratiefeindlichen und faschistischen Kräfte, die versucht hatten, uns für immer zum Schweigen zu bringen. Anders stimmte zu, abgesehen von Blutergüssen auf dem Arm und am Körper ging es ihm gut. Nachdem er mit der Polizei gesprochen hatte, fuhr er zum geplanten Demonstrationsort und führte die Veranstaltung vor dem Institut für Menschenrechte im kleinen Rahmen durch. Kurz vor Beginn der Demonstration waren 18 Teilnehmer von der Polizei vorbeugend festgenommen worden, weiteren wurde der Zugang nach Christianshavn verwehrt.
SIOE wird noch weitere Artikel über die Demonstration veröffentlichen.
Neben den SIOE-Blogs berichteten zahlreiche Webseiten auf der ganzen Welt über den Vorfall, hier eine Auswahl: Read the rest of this entry »